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Aldi verlässt Deutschland und beschert der Wirtschaft einen historischen Supergau

Der Discounter Aldi verlagert den Einkauf von Obst und Gemüse aus Deutschland nach Österreich. Diese Entscheidung betrifft einen zentralen Geschäftsbereich des Unternehmens, der bislang von den deutschen Standorten aus gesteuert wurde. Der Schritt wird von Beobachtern als strategische Neuausrichtung gewertet, die weitreichende Folgen für den Standort Deutschland haben könnte.

Ab demnächst wird ein großer Geschäftsteil von Aldi Süd zentral aus dem österreichischen Salzburg gesteuert. Dies soll dem Discounter bessere Einkaufskonditionen ermöglichen. Aldi Süd will den Einkauf von Obst- und Gemüseprodukten länderübergreifend über die Salzburger Einkaufszentrale Aldi Global Sourcing steuern, wie das Branchenblatt Lebensmittelzeitung berichtet.

Dem Bericht zufolge verfolgt der Discounter damit das Ziel, näher an die Produzenten heranzurücken und die Lieferkette effizienter gestalten zu können. Die Neuorganisation sei schon länger geplant. Aldi will das Geschäft direkt mit großen Erzeugern ausbauen, zitiert das Fachblatt einen Insider. Dabei geht es nicht nur um bessere Einkaufskonditionen, sondern auch um eine höhere Verfügbarkeit der Waren und mehr Sicherheit in der Lieferkette.

Aldi selbst spricht von engeren direkten Beziehungen zu Produzenten und einem stärkeren Fokus auf langfristige Partnerschaften. Die Rolle von Zwischenhändlern soll dabei möglichst reduziert werden. Bereits vor einigen Jahren hatte Aldi zentrale Einkaufsaufgaben von den einzelnen Ländern nach Salzburg verlagert. Nun folgt mit dem Importgeschäft von Obst und Gemüse der nächste Schritt.

Die Warengruppe besitzt für den Discounter eine hohe strategische Bedeutung. Branchenkenner schätzen den Umsatzanteil von Obst und Gemüse auf rund 15 Prozent. Damit zählt die Warengruppe zu den wichtigsten Sortimenten des Unternehmens. Aldi nutzt sie eigenen Angaben nach, um Kunden von Preis-Leistungs-Verhältnis und Qualität zu überzeugen. Zudem gilt sie als wichtiger Wachstumstreiber und bringt besonders viele Kunden in die Filialen.

In der öffentlichen Diskussion wird vermutet, dass die Entscheidung auch steuerliche Motive habe. Österreich sei historisch bedingt steuerlich interessant, nicht so umfangreich wie Deutschland und auch im bürokratischen Teil weniger aufwendig. Es wird argumentiert, dass es steuerlich zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten gebe, um verschiedene Teilaspekte aus dem Land herauszuverschieben. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der US-Konzern Apple, der seinen Sitz in Dublin in Irland hat. Im Jahr 2016 wurde bekannt, dass Apple für 1 Million Euro Gewinn nur 50 Euro Steuern zahlte. Die EU-Kommission verdonnerte Irland dazu, von Apple eine Nachzahlung von 13 Milliarden Euro zu fordern.

Die Verlagerung wird von Kritikern als weiteres Zeichen für die schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland gewertet. Es wird die Frage aufgeworfen, warum solche Schritte von Deutschland aus nicht möglich seien. Der Schritt von Aldi wird als strategische Entscheidung mit einem Blick von fünf, zehn oder zwanzig Jahren gesehen. Die genauen langfristigen Auswirkungen dieser Verlagerung auf den deutschen Markt und die Beschäftigung sind derzeit unbekannt.

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