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Schatten des Drahtes: Horace Greasleys 200 Fluchten. NE.

Schatten des Drahtes: Horace Greasleys 200 Fluchten

Im Frühjahr 1940, als die Nazitruppen durch Frankreich marschierten, ergab sich der Gefreite Horace „Jim“ Greasley vom Leicestershire Regiment in der Nähe von Carvin. Die ohrenbetäubende Stille der Niederlage hallte in seinen Ohren wider, als ihn deutsche Gewehre in einen Viehwaggon trieben. Zusammen mit 60 anderen Männern ertrug er drei Tage Dunkelheit, Durst und Verzweiflung, bis er im Stalag VIIIB in Lamsdorf, Polen, ankam – einem riesigen Lager mit über 100.000 alliierten Gefangenen. Wachtürme ragten empor, Stacheldraht erstreckte sich kilometerweit, und die täglichen Rationen bestanden aus Ersatzkaffee und Schwarzbrot. Greasleys Körper begann zu hungern, sein Geist wurde durch die mechanische Grausamkeit der Gefangenschaft auf die Probe gestellt.

Greasley, der zur Feldarbeit eingeteilt war, lernte Rosa Rauchbach kennen, eine 19-jährige Tschechin, die von den Deutschen zwangsrekrutiert worden war. Dunkelhaarig und zäh, arbeitete sie in der Küche des Bauernhauses. Eines Tages trafen sich ihre Blicke, und eine Verbindung entstand, die der Brutalität des Krieges trotzte. Rosa steckte ihm eine Nachricht zu: „Vater ist krank. Brauche Medizin.“ Greasley, von seinem Ziel getrieben, studierte die Wachmuster. In der nordöstlichen Ecke gab es eine Senke, wo Stacheldraht auf Erde traf, die alle 90 Sekunden von Suchscheinwerfern abgesucht wurde, sodass eine 12-sekündige Lücke entstand. Am 23. März 1942 um 23:45 Uhr kroch er unter dem Stacheldraht hindurch und bahnte sich seinen Weg über acht Kilometer durch gefrorene Felder zu Rosas Bauernhaus. Sie empfing ihn mit Brot und Medizin; diese kostbaren Augenblicke waren ein Rettungsanker. Um 4:30 Uhr kehrte er auf demselben Weg zurück und schlich sich vor dem Morgengrauen zum Morgenappell.

Drei Jahre lang wiederholte Greasley dies über 200 Mal – drei Nächte pro Woche, wobei er stundenlang mit Rosa das Risiko der Hinrichtung einging. Er brachte Würstchen, Medikamente und Schmuggelware mit, die Dutzende am Leben hielt. Die Wärter ahnten nie, dass ein Gefangener freiwillig zurückkehren würde. Das System funktionierte, weil Flucht Freiheit bedeutete, Rückkehr aber Wahnsinn. Greasley ertrug Hunger, Zwangsarbeit und Läusebefall, doch Rosas Anwesenheit bewahrte ihn vor dem Tod.

Im November 1943 schlug das Unglück zu. Eine außerplanmäßige Zählung ergab, dass seine Koje leer war. Hunde heulten auf und folgten seiner Fährte. Greasley hörte sie näherkommen, küsste Rosa und floh in die Nacht. Er drückte sich hinter einen Baumstamm in den gefrorenen Boden und entging der Gefangennahme, als der Wind seine Fährte verwehte. Zwei Stunden später wurde die Suche eingestellt. Doch die Gefahr wuchs; die SS-Präsenz verstärkte sich, nachdem Greasley Heinrich Himmler bei einer Inspektion konfrontiert und in stummer Trotzreaktion sein abgemagertes Wesen gezeigt hatte.

Nach seiner Versetzung zu E715 setzte Greasley seine Fluchtversuche fort und legte 27 Kilometer zurück, um Rosa zu treffen. Doch Ende 1944 verschwand sie spurlos – ihr Dorf war bombardiert oder evakuiert worden. Zutiefst betrübt gab er die Fluchtversuche auf und konzentrierte sich fortan auf Sabotage und das Überleben. Der Todesmarsch im Januar 1945 stellte ihn auf eine weitere Probe: 640 Kilometer durch Schnee, Wachen, die Nachzügler erschossen. Greasley marschierte allein und aus eigenem Willen weiter, sein Gewicht sank auf 41 Kilogramm.

Die Befreiung erfolgte am 5. Mai 1945 in Bayern. Amerikanische Truppen fanden abgemagerte Überlebende vor. Greasley, zu schwach zum Bewegen, wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Er wog nur noch 40 Kilogramm; sein Körper war von Ruhr und Erfrierungen gezeichnet. Nach seiner Genesung kehrte er nach England zurück, heiratete und gründete eine Familie, doch die Albträume ließen ihn nicht los. Er vergaß Rosa nie.

Im Jahr 2008 entdeckte der Autor Ken Scott Greasleys Geschichte anhand freigegebener Akten. Der damals 87-jährige Greasley bestätigte sie: 200 Fluchten aus Liebe. Seine Memoiren „Singen die Vögel noch in der Hölle?“ enthüllten die Wahrheit. Rosas Nichte bestätigte, dass sie bis 2001 überlebt hatte. Greasley starb 2010; sein Vermächtnis ist ein Zeugnis der unbezwingbaren Kraft der Liebe. Militärschulen lehren seine Taktiken, doch die Geschichte seines Herzens bleibt bestehen – Stacheldraht hielt seinen Körper gefangen, nicht seine Seele.

Hinweis: Einige Inhalte wurden mithilfe von Tools für künstliche Intelligenz (ChatGPT) erstellt und vom Autor aus kreativen Gründen und zur historischen Veranschaulichung bearbeitet.

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